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EIN WUNDER AUS EIGENSINNRecital des amerikanischen Star-PianistenFreitag, 25. Mai, 20 Uhr, Robert-Schumann-Saal, Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf Tzimon Barto Klavier ____________________ Joseph Haydn Sonate in As-Dur, Hob.XVI:46 Neues Werk des Preisträgers Barto-Prize 2012 Robert Schumann Humoreske für Klavier B-Dur op. 20 Johannes Brahms Vier Balladen op. 10 Franz Liszt Klaviersonate h-Moll, S 178 € 19,- / 27,- / 35,- / 42,-
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Mit Werken von u.a. Joseph Haydn, Robert Schumann, Johannes Brahms und Franz Liszt verneigt sich der exzentrische und hochsensible Weltklasse-Pianist vor Robert Schumann. Wen meinte wohl die Tageszeitung DIE WELT, als sie „ein Wunder aus Eigensinn“ beschwor?
Schumannfest: Können Sie sich an Ihr erstes Schumann-Erlebnis erinnern?
Tzimon Barto: Sehr lebhaft sogar. Als ich sechs Jahre alt war, besaß ich eine musikalische Lehrfibel für Anfänger. Es war eine Sammlung von vereinfachten Klavier-Transkriptionen von Themen aus dem klassischen Repertoire sowie ein paar originale Werke, die namhafte Komponisten speziell für Kinder geschrieben hatten. Ich entdeckte ganz oben auf einer Seite eine Zeichnung von einem sehr verträumt dreinschauenden Robert Schumann, dessen leicht geneigter Kopf auf seiner linken Hand ruhte. Unter dem Foto war ein kurzes Stück in C-Dur aus seinem Album für die Jugend, mit dem Titel Melodie. Nachdem ich es durchgespielt hatte, entdeckte ich zum ersten Mal in meinem kurzen Leben, dass eine in Dur komponierte Musik viel trauriger sein kann als jene, die in einer Moll-Tonart geschrieben wurde. In meiner glücklichen Kindheit wusste ich nicht, warum diese Melodie traurig war. Ich wusste nicht, warum sie traurig sein sollte. Ich wusste noch nicht mal, was „traurig“ war! Schumann machte mich sehr behutsam vertraut mit dem Begriff „Weltschmerz“ – und mit etwas, von dem ich glaube möchte, dass es mir hilft, jene Sorgen des Lebens zu ertragen, deren Notwendigkeit für das Erreichen eines Zustands von Gelassenheit mir nicht einleuchtet: mit einer Melodie.
Schumannfest: Wie hat seitdem Schumanns Musik auch Ihr Spiel geprägt?
Tzimon Barto: In den Werken von Schumann mit ihren scheinbar vorhersehbaren harmonischen Abfolgen gibt es innere Töne, die der vordergründigen Stimmung der Musik widersprechen. Solche abweichenden Töne finden sich – natürlich – durchweg bei Bach und subtiler in den Werken von Mozart. Aber angesichts der Epoche, in der Schumann lebte, sind sie in der Musikgeschichte bahnbrechend. Zum ersten Mal in der Musikgeschichte sprechen sie diese Art von Geisteshaltung an, die sehr viel komplizierter ist als etwa die auf den Genuss ausgerichtete, sonnige Gradlinigkeit des Klassizismus. Wie sein „Vetter“ Hugo Wolf stellt Schumann in seiner Kunst des 19. Jahrhunderts den Geist des 20. Jahrhunderts dar. Es ist ein Geist in einem ständig labilen Zustand – bis hin zum tragischen Leiden. Im Zustand der Erleuchtung sollte das Leiden aber dann in Schönheit umschlagen. Um es pragmatisch auszudrücken: um die ganze Skala von „instabilen“ Stimmungen am Klavier zu vermitteln, kommt es im Vergleich zu den anderen, früheren Komponisten bei Schumann auf ein wesentlich umfassenderes Farbspektrum und einen größeren Reichtum im Dynamischen an.
Schumannfest: Beim Schumannfest spielen Sie auch das neue Werk des Gewinners Ihres Barto-Preises. Was können junge Komponisten speziell von Schumann heute noch lernen?
Tzimon Barto: Als Bewunderer des chinesischen Gelehrten Zhuangzi, der einen dazu ermahnt, dass man sich mit seiner Meinung zurückhalten und lieber die Dinge annehmen sollte, wie sie gerade kommen, würde ich jungen Komponisten nicht zu irgendetwas raten wollen. Sollte diese Bemerkung mit ihrem leicht ironischen Beigeschmack allerdings ein wenig überheblich wirken, würde ich dann doch junge Komponisten einladen, jene Mittel zu erforschen, mit denen Schumann standardisierte klassische Formen dekonstruiert hat – und nicht zu vergessen all die neuen musikalischen Formen (inspiriert durch das Werk von E.T.A. Hoffmann und von meinem Favoriten Jean Paul), die Schumann geradezu ex nihil (aus dem Nichts, Anm. d. Red.) geschaffen hat.

