BILDSTÜCK FÜRS FESTIVAL: |STEPHAN KALUZA VISUALISIERT SCHUMANN

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit einigen Jahren lädt das Schumannfest Düsseldorf einen bildenden Künstler ein, seine Vorstellung von Robert Schumann im Rahmen der jeweiligen Werbekampagne zu visualisieren. 2006 war es der Illustrator Nikolaus Heidelbach, 2008 der Fotograf Philip Lethen, und für 2010 konnte jetzt der Maler, Performance-Künstler und Fotografen Stephan Kaluza für eine Zusammenarbeit gewonnen werden. Basis seiner Schumann-Annäherung und damit für das aktuelle Erscheinungsbild ist eine in Analogie zu seiner Arbeitsweise exklusiv für das Festival entwickelte narrative Bildfolge, in der mehrere tausend Fotografien eines (Bühnen)geschehens zu einem nahtlosen Bildstreifen aneinandergesetzt werden. Mehr über den Künstler erfahren Sie unter www.stephan-kaluza.de


STEPHAN KALUZA Zu SEINEM SCHUMANN-BILDSTÜCK

"Am Anfang eines jeden Bildstücks steht das textalische und bildnerische Konzept. Gleich einem Theaterstück werden die Dialoge der Protagonisten vom Künstler verfasst, ebenso werden die Szenerie und der Bühnenraum realisiert. Während der darauf folgenden real aufgeführten Inszenierung wird die Darstellung von einer zentral positionierten Kamera im Sekundentakt fotografiert.

Die Arbeitsweise zur Erstellung dieser Bilder mag filmisch anmuten, das Ergebnis ist jedoch ein völlig anderes: Es besteht aus einem einzigen Bildraum, in dem die einzelnen Szenen der Handlung ineinandergreifen. Indem den einzelnen Fotos ihre vertikalen Ränder genommen werden, hört die zeitliche Begrenzung der jeweils singulären Fotos ebenfalls auf zu sein – zugunsten der Einheit von Zeit und Raum des Gesamtbildes. Die Fotos werden zwar zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen und dokumentieren die Chronologie der Handlung, dennoch aber kann das statische Gesamtbild in einer Ausstellung ,auf einen Blick' wahrgenommen werden.

In diesem Sinne avancieren die auf den Fotos sichtbaren Handlungen zu einer Form im Kontext des Bildstücks. Die Aneinanderreihung der handelnden Protagonisten beispielsweise erweckt zum Teil den Eindruck des Rhythmischen, ebenso wie die stetige horizontale Wiederholung der Bühnenästhetik für den Eindruck einer übergroßen (Meta-)Bühne sorgt.

Das filmische Prinzip besteht darin, enorm viele Bilder in hoher Geschwindigkeit hintereinanderzukoppeln; die Wahrnehmung der ,Bildstücke' kann hingegen simultan erfolgen. Der Ansatz dieser Arbeiten besteht dementsprechend nicht darin, das gesprochene Wort durch Bilder zu ersetzen, es geht eher darum, eine konzeptionelle Gesamtkomposition des sichtbar Narrativen herzustellen.

Das hier vorliegende Bildstück wurde für das Schumannfest Düsseldorf 2010 entwickelt und inszeniert. Der Künstler orientierte sich dabei an der Biografie Robert Schumanns; in allegorischer Weise wird darüber hinaus die generelle Verzweiflung des Künstlers im Dialog mit seiner Arbeit dramatisiert. Die intime Zwiesprache zwischen Instrument und Künstler kommt dem Ringen um Genialität gleich – einer Genialität, die sich nicht willentlich einstellt, sondern stets von Neuem hart erkämpft werden muss.

Das Bildstück beginnt in bürgerlicher Atmosphäre; ein Biedermeier-Sofa, ein Goethe-Porträt und ein griechischer Helm verweisen auf ein bestehendes Kulturerbe, daneben der nackte Körper eines Kindes; der Protagonist sinnt nach Ideen der Neuerung, seine zunehmende Verzweiflung darüber manifestiert sich in einer maskierten Albtraumgestalt, die ihn Flöte spielend umkreist. Die Szenerie wandelt sich nun in eine Zwiesprache zwischen einem Konzertflügel und dem Künstler; die ,Annäherungsversuche' des Protagonisten werden vom Instrument abgewiesen, es verweigert sich dem Spielen. Je mehr es sich entzieht, desto intensiver geraten die Versuche des Künstlers; in seiner Fantasie setzt er das Instrument mit dem faktischen Fleisch gleich, mit der Liebe und dem Scheitern derselben. Erst das Überwinden dieser albtraumhaften Nöte und Ängste verleiht schließlich die Sicherheit der neuen Idee: Instrument und Künstler werden zu einer kompositorischen Einheit."